“Wenn ihr aber fastet…”

“Wenn ihr aber fastet…”

Ich staunte nicht schlecht, als ich die Kirchenuhr hörte. Genau 11 Gongschläge! Noch vor einigen Wochen hatte ich um diese Zeit leichte Kopfweh und Konzentrationsstörungen. Außerdem schielte ich gefühlte 100 mal auf meine Uhr und wartete darauf, das es endlich „soweit“ ist.

Diese Woche lief ich schon am frühen Morgen zackig meine Runde mit dem Hund und arbeitete danach Dinge im Haushalt und am Computer ab.

Aber wie gesagt, die Kirchenuhr! Es war 11 Uhr. Meine 16 Stunden Fastenzeit waren wieder um. Ich freute mich auf mein Frühstück, oder besser gesagt, mein Brunch.

Breakfast, wie der Engländer das Frühstück treffend bezeichnet. Fastenbrechen eben!

Seid ca. 6 Wochen faste ich jetzt. Im Intervall – mit der 16 zu 8 Methode. Ich faste 16 Stunden und esse zwischen 11 Uhr und 19 Uhr. Meistens genieße ich in dieser Zeit 2 normale Mahlzeiten und manchmal noch einen kleinen Snack.

Nein, ich habe nicht erst gewartet bis Karneval vorbei ist. Ich habe es nicht so mit diesem Fest und musste deswegen auch nicht erst das sprichwörtliche und wörtliche Faschingshütchen absetzen, um mich am Aschermittwoch in „Sack und Asche zu werfen“.

Schon vor vielen Wochen machte mich mein ältester Sohn auf eine Reportage, die sich ums Fasten dreht, aufmerksam. Hierbei geht es vorrangig um das Fasten im medizinisch-gesundheitlichen Sinne. Fasten um Autoimmunkrankheiten, Diabetis, Bluthochdruck und vieles mehr zu lindern oder gar zu heilen. Wie ich schon im letzten Beitrag “Zero-Waste für mein Leben” erwähnte, bin ich, was die verschiedenen Formen des Fastens angeht, in der Theorie schon sehr bewandert.

Seid einigen Wochen praktiziere ich jetzt eine erste Variante, um mich und meinen Körper mit dem Essensverzicht vertraut zu machen. So entschied ich mich für das 16 zu 8 Intervallfasten. Auch dabei aktiviert der Körper nämlich schon seine Selbstheilungskräfte.

"Wenn ihr aber fastet..."
“Wenn ihr aber fastet…”

Nach nur einer Woche hatte ich mich an meinen neuen Lebens-und Essrhythmus gewöhnt. Natürlich kann ich nach so kurzer Ära noch keine Bilanz in Sachen „Beschwerden“ bzw „Beschwerdefreiheit“ ziehen. Das wird die Zeit zeigen. Deswegen nehme ich jetzt erstmal neutral wahr, das ich derzeit wieder gut schlafe, keine „Restless legs“ mehr habe, die Migräne bis dato ausblieben … Es bleibt spannend.

Kürzlich schaltete ich den Fernseher ein und zappte durch die Programme. Dabei stieß ich auf eine Sendung übers Fasten. Klar, mittlerweile war der Aschermittwoch ja vorbei. Die „offizielle Fastenzeit“ war angebrochen. Da ich von vornherein eher aus gesundheitlichen Gründen aufs Fasten gestoßen bin, war mir das gar nicht so präsent. So machte ich mir, obgleich ich Christ bin, zunächst keine weiteren Gedanken darüber, welche Kreise Fasten ziehen kann. Vielleicht liegt es daran, das ich als Christ „vorbelastet“ bin (grins), jedenfalls bemerkte ich sehr schnell auch innerlich eine seelische und geistliche Veränderungen.

Wie kann ich das beschreiben! Ich erlebe vieles bewusster. Ich tue und lasse die Dinge meines Alltags bewusst. Ich lebe intensiver.

Fasten hat also definitiv Einfluss auf Körper, Geist und Seele.

Ich fragte mich, was die Bibel übers Fasten sagt. Müssen Christen Fasten? Und dann auch die 40 Tage, die Jesus in der Wüste fastete? Und wenn, wann dann genau? Jetzt, wo so viele Christen wieder „7 Wochen ohne“ machen? Eine Aktion wo sie auf bestimmte Dinge in ihrem Leben verzichten?

Mein Forschergeist war geweckt. Und so forschte ich direkt mal bei Jesus selbst. In Matthäus 4, Verse 1 bis 11 lesen wir, das Jesus vor seinem großen Wirken vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wurde.

„Darauf wurde Jesus vom Geist in die Wüste Geführt, damit er vom Teufel versucht würde. Und als er 40 Tage und 40 Nächte gefastet hatte, war er zuletzt hunrig. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden! Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht!“ Darauf nimmt ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürze dich hinab; denn es steht geschrieben: „Er wird seinen Engeln deintewegen Befehl geben, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht etwa an einen Stein stößt.“ Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht geschrieben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!“ Wiederum nimmt ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und spricht zu ihm: Dieses alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest! Da spricht Jesus zu ihm: „Weiche, Satan! Denn es steht geschrieben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen!“ Da verließ ihn der Teufel; und siehe, Engel traten hinzu und dienten ihm.  (Matthäus 4, 1-1, Schlachter Übersetzung)

In dieser Zeit hat Jesus tiefe Erfahrung mit seinem Vater gemacht, gebetet, gefastet. Er wurde für seinen Dienst ausgerüstet und widerstand Versuchungen.  In der Bibel finden wir im weiteren Verlauf unterschiedliche Begebenheiten, in welchen die Menschen fasteten. Hier ein paar Beispiele:

Fasten und Gebet bei wichtigen Entscheidungen

Die Menschen begleiteten ihr Gebet durch Fasten, wenn wichtige Entscheidungen in der Gemeinde anstanden und Menschen zum Dienst ausgerüstet wurden. So waren die ersten Gemeinden oft im Gebet zusammen. Sie dienten dem Herrn und fasteten und suchten den Willen des Herrn. So erfuhren sie den Heilige Geist auf besondere Weise. Auf diese Art wurde in der Gemeinde in Antiochia der Prophet und Lehrer Barnabas sowie Saulus für eine besondere Aufgabe ausgewählt.

Als sie nun dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus aus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe! Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen. (Apg. 13, 2-3, Schlachter Übersetzung)

Auch die Ältesten, die in den verschiedenen Gemeinden berufen wurden, setzten sie unter Gebet und Fasten unter Gottes Schutz und Segen.

Nachdem sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste bestimmt hatten, befahren sie sie unter Gebet und Fasten dem Herrn an, an den sie gläubig geworden waren. (Apg. 14, 23, Schlachter Übersetzung)

Fasten und Beten festigt den Glauben und verleiht Vollmacht, informiert uns Jesus.

Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Berg sprechen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er würde sich hinwegheben; und nochts würde euch unmöglich sein. Aber diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten.“ (Mt 17, 20-21, Schlachter Übersetzung.)

“Da nun Jesus eine Volksmenge herbeilaufen sah, befahl er dem unreinen Geist und sprech zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre aus von ihm und fahre nicht mehr in ihn hinein! Da schrie er und zerrte heftig und fuhr aus; und er wurde wie tot, sodass viele sagten: Er ist tot! Aber Jesus ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf; und er stand auf. Und als er in ein Haus getreten war, fragten ihn seine Jünger für sich alleine: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und er sprach zu ihnen: Diese Art kann durch nichts ausfahren außer durch Gebet und Fasten.“ (Markus 9, 25 – 29, Schlachter Übersetzung)

Fasten in Trauer und Bedrängnis

David trauerte um Saul und seinen Sohn Jonatan und verband das mit Fasten.

„und sie stimmten die Totenklage an und weinten und fasteten bis zum Abend um Saul und um seinen Sohn Jonatan und um das Volk des HERRN und um das Haus Israel, weil sie durch das Schwert gefallen waren. (2.Samuel 1,12, Schlachter Übersetzung)

Als Josaphat wegen der Angriffe der Ammoniter und Moabiter nicht mehr wusste, wie es weiter gehen sollte, rief er ein Fasten für ganz Juda aus.

Da fürchtete sich Josaphat und richtete sein Angesicht darauf, den HERRN zu suchen; und er ließ in ganz Juda ein Fasten ausrufen.“ (2. Chr. 20,3, Schlachter Übersetzung)

"Wenn ihr aber fastet..."- forschen in der Bibel
“Wenn ihr aber fastet…”- forschen in der Bibel

Fasten ist eine Entscheidung aus dem Herzen heraus!

In all dem muss gesagt werden, das Fasten ebenso wie das Gebet kein „Automatismus“ ist. Gott ist kein Automat, in dem ich Geld (oder mein Gebet oder meine Fastenzeiten) schmeiße und dann sofort und augenblicklich und garantiert genau das bekomme, was ich mit wünsche. Wir können und sollten unsere Wünsche nicht erzwingen wollen.

Das ist nicht immer leicht. Ich weiß von einer Bekannten, das sie für die Heilung eines Freundes fastete. Seid Jahren, immer wieder. Und augenscheinlich passiert nichts. Passiert wirklich nichts? Wer bin ich, der ich in meiner menschlichen Begrenztheit so etwas behaupten kann? Eins jedenfalls erkenne ich jetzt schon mit meinen rudimentären Fastenerlebnissen:

Fasten und Beten in der richtigen Gesinnung führt stets zu einer intensiveren Beziehung zu Jesus.

Gott kommt es um um eine ehrliche und offene Herzenshaltung an. Auch da spricht Jesus klare Worte zu uns:

„Wenn ihr aber fastet, sollt ihr nicht finster dreinsehen, wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Angesicht, damit es von den Leuten bemerkt wird, dass sie fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen. Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit es nicht von den Leuten bemerkt wird, dass du fastest, sondern von deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten.“ (Matth. 6, 16 – 18, Schlachter Übersetzung)

Es geht also darum kein TamTam um das Fasten zu machen, um andere zu beeindrucken oder gar Mitleid zu bekommen. Es geht einzig und allein um die eigenen Beweggründe, sei es geistlicher oder/und gesundheitlicher Art. Das heißt natürlich auch, das wir kein Geheimnis darum machen müssen. Denn letzten Endes machen wir, wenn wir uns um eine Antwort drücken, warum wir jetzt nicht mit der Freundin essen gehen können, ja auch wieder ein TamTam um unser Fasten.

In all dem erkenne ich, das Fasten zu einem bewussteren Lebensstil führt, der Körper, Geist und Seele betrifft. Mittlerweile war es an diesem Morgen nach 11 Uhr und ich richtete mir “mein” Supermüsli. Der Heißgetränkeautomat zauberte mir meinen Latte Macchiato. Ich wollte mich gerade an den Tisch setzen, da merkte ich das ich den Kaffeelöffel vergessen habe. Und der ist wichtig! Wie soll ich denn sonst stilecht den Milchschaum löffeln?

"Wenn ihr aber fastet..." - Fastenbrechen
“Wenn ihr aber fastet…” – Fastenbrechen

In diesem Sinne, seid gesegnet, eure Sandra

 

 

2 Gedanken zu „“Wenn ihr aber fastet…”

  1. Ich finde das mit dem Fasten wirklich eine gute Sache und kann aus Erfahrung auch sagen, dass so eine Zeit dem Körper wirklich sehr gut tun kann. Viel Erfolg und Spaß noch dabei! 🙂

    Liebste Grüße,
    Carmen 🙂

  2. Diese Methode finde ich wirklich interessant, zumal ich seit Jahren fast genauso esse! Ich bin kein Frühstücker, mein Mittagessen gibt’s meist gegen 11, damit ich vor der Arbeit noch etwas im Bauch habe und nach dem Abendbrot vielleicht noch mal etwas um 19 oder 20 Uhr! Also fast genauso! Von dem Intervallfasten lese ich in letzter Zeit immer wieder, ich bin diese großen Abstände so gewohnt und mir fehlt nichts 🙂 Schön, dass es dir gut tut!!!

    Liebe Grüße
    Jana

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