Das Leben leichter feiern

Das Leben leichter feiern

(Ich erwähne diese Bücher aus freien Stücken (ohne Produktsponsoring oder dergl.) in meinen Post.) 

„Wie alt sind sie jetzt?“, fragte mich der Frauenarzt und beantwortete die Frage schon selber, indem er auf mein Kärtchen sah. „Aha 49, ja da können erste Beschwerden auftreten“, bestätigte er mir.

Erste Beschwerden? Welche ersten Beschwerden sind das wohl? Dass ich fast jede Nacht unzählige Schäfchen zählen muss, bis ich endlich einschlafe? Das mich eine leere Milchflasche, die mich aus dem Kühlschrank anglotzt, in Tränen ausbrechen lässt? Ihr wisst schon, so Flaschen, wo unten so ein mikroskopisch kleiner Rest schippert (mit bloßem Augen kaum zu erkennen), weswegen meine Mitbewohner die Flasche ja unmöglich in unseren Pfandflaschenbehälter legen können. Dass ich mir fest vornehme mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, um dann doch wieder über das Stilleben meiner Mitbewohner im Haus unverhältnismäßig heftig zu reagieren. Hallo – müssen denn auch überall Zeitschriften, Hundehaare, leere Verpackungen diverser Süßigkeiten herumliegen????

Nun mit Sicherheit gehört auf die Beschwerdeliste, das ich mich jetzt seit Monaten wie die Frau aus Matthäus 9, Vers 20 – 22 fühlte. Und genauso wie sie, möchte ich einfach nur Jesu’ Gewand berühren, damit sich die Situation wieder beruhigt.

Zunächst nahm ich erstmal das Rezept entgegen. “Agnus Catus” , las ich. “Es ist ein pflanzliches Mittel für Frauenleiden. Es fördert die Progesteronproduktion und stabilisiert somit des Zyklus, wirkt appetitzügelnd, lindert Stimmungsschwankungen und fördert den Schlaf”, lese ich. „Nehmen sie jeden Tag um die gleiche Zeit eine Tablette ein. Die ausgleichende Wirkung setzt jedoch erst in einigen Wochen bzw. Monaten ein!“, gab mir der Arzt am Ende der Sprechstunde noch mit auf dem Weg.

Zu Hause packte mich die Neugierde. So war ich immer schon. Wenn sich etwas Neues anbahnt, dann muss ich erstmal meine Nase in einschlägige Themenbücher stecken. In dem Fall sind es direkt zwei Schmöcker, mit deren Hilfe ich mich zaghaft der sogenannten zweiten Lebenshälfte nähere.

„Wissen ist Macht!“, stand auf dem Plakat, was mein Vater vor vielen vielen Jahren in seinem Zimmer hängen hatte. Ich schielte auf den Bücherstapel neben dem Sofa. Jetzt ist Frau ja mit Wissen versorgt! Und so brühte ich mir meinen üblichen Cappuccino auf und vergrub meine Nase in die neue Lektüre.

Schon in den einführenden Seiten, wo die Autorinnen ihre Geschichte erzählen, schwante mir, das ich auch zu denen gehören könnte, wo der Wechsel nicht einfach nur Spuren hinterlassen würde, sondern mit einem Geländejeep angesaust käme und für regelrecht tiefe Fahrrillen sorgen würde.

Ich lese von dem Wunsch sein Leben zu ordnen – und das inmitten vom Empty-Nest-Syndrom, von gelegentlichen Ehedramen, diversen Heulattaken, immer hartnäckigerem Hüftgold, ständiger Erschöpfung… allesamt Zustände, in denen ich mich definitiv wieder erkenne.

Katja Burkarts Geheimtip Nr 1, lässt mich schmunzeln, nicht zuletzt weil ich eben so ein „Eherezept“ vom Frauenarzt in die Hand gedrückt bekam. So schreibt sie in ihrem Buch „Wechseljahre? Keine Panik!“:

„Mein Geheimnis Nr. 1: Hormone checken lassen, bevor man sich trennt oder sich Beruhigungspillen verschreiben lässt! Progesteron kann Beziehungen retten – ich habe es selbst erlebt“

Katja Burkart, Wechseljahre? Keine Panik!

Na dann! In dem Buch von Dr. med Christiane Northrup lese ich das sich spätestens in den Wechseljahren unabgeschlossene Dinge aus der Vergangenheit Gehör verschaffen. Sie wollen besehen und bearbeitet werden. So schreibt sie in ihrem Buch „Weisheit der Wechseljahre“ :

„Verletzungen und Verluste, die wir viele Jahre oder gar Jahrzehnte lang zu vergessen oder zu minimieren verstanden haben, können uns plötzlich überwältigen – selbst wenn wir meinen, wir sollten längst über all diesen Schmerz aus der Vergangenheit „hinweg“gekommen sein.“

Dr. med Christiane Northrup, Weisheit der Wechseljahre

Ein paar Seiten weiter lese ich:

„ Zusätzlich zu der Klarsicht und den Mut, die uns die Wechseljahre verleihen, sich vergangenen Schmerzen zu stellen, können sie einer Frau helfen, einen Schritt zurückzutreten, die Notwendigheit einer Veränderung anzuerkennen und alles Nötige zu tun, um sich von alteingeschliffenen destruktiven Mustern zu trennen.“

Dr. med Christiane Northrup, Weisheit der Wechseljahre

Schon wenn die Regel noch wie ein Uhrwerk funktioniert, kann der anstehende Wechsel gewissermaßen schon wie ein großer Wecker fungieren, der uns auffordert jetzt endlich endlich endlich hinzusehen.

Ich bin mir sicher: 2015 klingelte mein Wecker! Eine Verdachtsdiagnose, eine Bauchspiegelung just in dem Operationssaal in dem ich ca. 12 Jahre zuvor nach einer Komplikation eines Kaiserschnittes fast starb – und viele alte Verluste, Schicksalsschläge und seelische Wunden kamen zu Tage.

Ich war gefordert hinzusehen, aufzuarbeiten, zu verarbeiten. Mit einer Weiterbildung zur Begleitenden Seelsorgerin habe ich mich vor einigen Jahren entschlossen mich gleichzeitig psychologisch weiter zu bilden. In diesem Rahmen betrachtete ich viele dieser Dinge, die Northrup aufzählt.

Denn wie ich in der Psychologie einst lernte: Ich kann nur verändern was ich verstehe. Und mir war und ist klar, das jeder Mensch mehr oder weniger stark mit den Dingen wie Eigenverantwortung, Glaubenssätze, Bitterkeit, Wunden ….. und so weiter zu kämpfen hat. Wo und wie die Schwerpunkte verteilt sind, ist sehr persönlich.

In meinem Fall beobachte ich das mein seelisches Gleichgewicht leider oft stark von meinen körperlichen Beschwerden beeinflusst wird. Genau deswegen ist es so wichtig hinzusehen, wenn wieder mal etwas hochkommt, wo ich dachte, der Schmerz sei verarbeitet.

Die Weiterbildung zur Begleitenden Seelsorgerin war im Grunde erstmal eine intensive „Begleitung von mir selbst“. Und diese Begleitung, im heutigen Fachjargon auch gerne mit „Eigenverantwortung“ und auch „Achtsamkeit“ betitelt, geht über meine Weiterbildung hinaus.

Ich ziehe bis heute immer regelmäßig gründliche Bilanz in jeglichen Lebensbereichen, stelle mich den mit den Jahren immer mehr werden “Empty-Nest”, prüfe Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte, übe mich mehr oder weniger erfolgreich in Sachen „Eigenverantwortung“, stelle mich immer wieder neu alten und neuen Verlusten und schließe nach und nach Frieden mit den „was wäre wenns“ in meinem Leben.

Ich „begleite mich also weiter“, gehe achtsam und mutig weiter – im Gepäck jetzt noch ein paar Hormönchen mehr, die gelegentlich mal Amok laufen.

Was mir das bringt?

Eine runde Sache und damit meine ich nicht das eine oder andere Spreckröllchen, was sich neuerdings besondern wohl an/in meiner Körpermitte fühlt.

Ich übe mich in mehr Mitgefühl – auch für mich selbst. Wenn ich merke das ich jetzt wieder „meine Stimmungen bekomme“, plötzliche Migräne, oder mich sonst etwas quält habe ich mehr Verständnis für mich. Verständnis – ich verstehe mich besser.

“Wechseljahre – ein neuer Anfang” lese ich in einer Zeitschrift. Ein neuer Anfang, der dem Leben eine ganz neue Würze geben soll. Manchmal habe ich jedoch das Gefühle, das bei mir so mancher Tag eine ganz besonders heftige Würze bekommt. Dann entsteht ein total scharfes Chilli con carne, welches nur mit ganz viel Brot zu ertragen ist. Jesus sagt:

Ich bin das Brot des Lebens

Johannes 6,48

Also greife ich zu – zu seinem Brot! Und ich schiele nach seinem Saum. Den reicht er mir indem er mir immer zuhört und mich auch praktisch unterstützt.

So helfen mir zum Beispiel diese Bücher und die Literatur, die ich vor einigen Jahren in meiner Weiterbildung las, weiter. Ich lese von Frauen, die “unzensiert” von ihren Stimmungsschwankungen, dunklen Stunden, Ausrastern und so weiter erzählen. Das tut mit gut.

Und er schickt mir andere Frauen, mit denen ich mich hier und da über unsere Eskapaden austausche. Manchmal lachen wir herzhaft darüber.

Apropos Lachen. Kürzlich beim Sport scherzten eine Seniorin und ich fröhlich über die Übungen und konnten dabei herzlich über uns selber lachen. „Ist das nicht schön,“, freute sich diese Frau und griff nach einer Hantel, „wir haben heute zusammen gelacht. Das ist schonmal kein vertaner Tag!”

Ok, vielleicht ich stecke auf meiner Wanderung gerade in einer Art „Zwischenzeit“.

„Du bist in deiner neuen Welt noch nicht zu Hause, und deine alte Welt passt nicht länger zu dir!“ Immer noch erwische ich mich, das ich um das trauere , was war, und um das, was ich meiner Meinung nach versäumt habe. Und an manchen Tagen habe ich eher das Gefühl einer Endstation, einfach weil ich noch nicht genau weiß, was als nächstes dran ist, und wie sich meine Gesundheit weiter entwickelt.

Aber wer weiß das schon?

Ich kann ohnehin nicht alles planen.

Und so gehe ich mein Leben einfach Tag für Tag an. In einer Zeitschrift schrieb ich im Zusammenhang meiner chronischen Krankheiten und meiner Belastbarkeit einmal

Das Leben leiser feiern!

Während ich darüber nachdenke wird aus dem “leiser” ein “leichter”.

Das Leben leichter feiern!

Denn das ist es, was das Leben leichter macht, sich in weniger Hetze dafür mehr Gelassenheit, mehr Ruhe und einem Cappuccinogenuss … zu üben!

Herzlichst, Sandra

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