Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie! Kapitel 5

Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie! Kapitel 5

Aber ich werde ihnen antworten:<Ihr habt nie wirklich zu mir gehört. Was ihr getan habt, das habt ihr ohne mich getan. Geht mir aus den Augen>” (Matthäus 7, 23; Hfa)

Ausgebremst

Einige Zeit später besuchte ich mit meiner Freundin eine Wellnessfreizeit für Körper, Geist und Seele. Das tat mir sehr gut und baute mich wieder auf. Schonkurz darauf stieß ich wieder ins “geistliche Horn”.

Ich besuchte erfolgreich ein Gabenseminar. Mit ganz klaren Vorstellungen und auch Ideen der Umsetzung stürzte ich mich ins Gemeindeleben. Ich gab die Spielgruppe auf. Ich war jetzt eine “Projektefrau” und wusste auch genau, welche Projekte es sein sollten.

Doch meine Gedanken oder klaren Vorstellungen waren nicht Gottes Gedanken für mich. Noch bevor ich meine Projekteliste anfangen konnte abzuarbeiten brachen bei uns wieder die Krankheiten aus.

Erst ignorierte ich standhaft dieses Picken und Stechen in meinem Unterbauch. Ich hatte schließlich einen „guten und christlichen Plan“, was als Nächstes in meinem Leben dran war. Und ein Arztbesuch, geschweige denn ein Krankenhausaufenthalt, gehörte ganz sicher nicht dazu. Der besorgte Ehemann verfolgte meinen nach vorne gebückten Gang mit Skepsis. Ob das wohl gut geht? Nein, beim besten Willen nicht. Ich musste das untersuchen lassen. Es war mittlerweile Wochenende, der Hausarzt hatte geschlossen. Aber mittlerweile was da auch einerlei, denn das Krankenhaus war inzwischen eh die geeignetere Adresse. Kurze Zeit später tröpfelte eine schmerzlösende Flüssigkeit durch einen kleinen Schlauch in meine Vene. Mein Mann hatte die Aufnahmeformulare gewissenhaft ausgefüllt – mit der Gebärmutterentzündung musste ich stationär das Bett hüten.

Ich trug es mit Fassung.“Es wird wohl einen Sinn haben!“,dachte ich fromm. Und so hielt ich fromm Bettruhe, erzählte meiner Bettnachbarin fromm von Jesus und las fromm den täglichen Bibelspruch, der die triste Krankenhauswand zierte. Noch ahnte ich nicht, welche Bedeutung einer diese Verse für mein Leben bekommen sollte.

Mir schwirrten so einige Gedanken durch den Kopf. Ehrlich gesagt, so genau weiß ich nicht mehr was der Auslöser für meine absolut „oberfrommste“ Tat war.

Dort im Krankenhaus, zwischen Infusionsständer und Resten vom Mittagessen, faltete ich plötzlich meine Hände und fing an „gewaltig“ zu beten.Ich bat Gott, dass er mich verändern, noch mehr seinem Ebenbild gleichmachen möge – notfalls mit der Brechstange. Ja, das sagte ich.

Notfalls mit der Brechstange. Ich wollte schnell verändert werden.

Ich meinte es auch wirklich so, denn bis dato ging ich davon aus, eine gute, gläubige Christin im “Leistungsclub Gottes” zu sein. Soooo viel muss Gott doch bestimmt nicht mehr an mir ändern.

Nach dieser dummen Gebärmutterentzündung wollte ich dann endlich durchstarten.

Und wer weiß, vielleicht hat Gott bis dahin schon mein Gebet erhört und mich verändert.

Hier muss ich mal eine kleine Pause machen. Denn von da an haben sich die Ereignisse nämlich überschlagen. Wieso habe ich dieses Kapitel “Ausgebremst” bloß mit diesem gnadenlos ehrlichen Wort von Jesus überschrieben? Das ist ganz einfach und doch auch wieder nicht:

Kurze Zeit vorher wurde ich beim Bibellesen von Gott auf folgenden Bibelabschnitt gestoßen, der in der Bibel “Hoffnung für alle” mit der Überschrift “Fromme Schwätzer” betitelt wird.

Nicht wer mich dauernd “Herr” nennt, wird in Gottes Reich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Am Tag des Gerichts werden zwar viele sagen:<Aber Herr, wir haben doch deine Wahrheiten gepredigt! Wir haben doch in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mächtige Taten vollbracht!> Aber ich werde ihnen antworten:<Ihr habt nie wirklich zu mir gehört. Was ihr getan habt, das habt ihr ohne mich getan. Geht mir aus den Augen.>” (Matthäus 7, 21-23; Hfa)

Das stimmte mich nachdenklich. Wieso zieht mich dieser Abschnitt denn bloß so magisch an und wieso muss ich dann sofort an genau die letzen Jahre zwischen 2004 und 2009 denken? War ich in all den Jahren wirklich nur ein “frommer Schwätzer”? Ich hab das doch gerne getan mit den “besten Absichten”. Was ist denn bloß falsch gelaufen?

Also ich glaube, ich war oftmals ein “frommer Schwätzer”, der es nicht besser wusste. Das, was bis dahin in meinem Leben geschah, passierte zu meinem Guten.

Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, aber auch wirklich alles zu seinem Heil; denn dazu hat Gott ihn selbst erwählt und berufen.“ (Römer 8, 28; Hfa)

Ja, davon war ich ja meistens auch überzeugt.

Leistungen, gute Taten, Arbeiten, Versager … diese Worte und noch viele mehr übertönten ein ganz ganz wichtiges Wort:

Liebe!

Und jetzt, ja jetzt, wo ich Unwissende Gott wirklich massiv gebeten habe mich zu verändern,

notfalls mit der Brechstange,

da ergriff er die Chance. Ich sehe ihn richtig die Hände reiben. Gott drängt sich nicht auf, Gott will niemanden ungebeten verändern, so als seien wir Menschen seine Marionetten. Nein, Gott hat uns einen freien Willen gegeben und wir müssen uns verändern lassen wollen,

notfalls mit der Brechstange.

Und genau das habe ich getan. Ich habe ihn gebeten mich zu verändern..

Also, zum Thema Gebetserhörung: Die kam recht schnell, aber gänzlich anders, als ich es mir dachte und es mir wünschte.

Einige Zeit nach meinem Gebet brach ich auf einer Hauptverkehrsstraße zusammen. Ich hatte Atemnot, eine schwere Last drückte auf meinen Oberkörper. Augenblicklich ging es mir sehr schlecht. Mit Tatütata ging es ins Krankenhaus, Abteilung Kardiologie. Die Herzkatheter-Untersuchung war jedoch ohne Befund. Mittlerweile hatte ich so starke Atemnot und Magenschmerzen, dass ich kaum noch etwas zu mir nehmen konnte.Ratlos starrte der Arzt auf Röntgenbilder und Laborwerte. „Wir können nichts Körperliches finden“, resümierte er. So vermutete er ein anderes Problem: Panikattacken. „Panikattacken sind psychosomatisch und fallen somit nicht in mein medizinisches Fachgebiet“, schloss der Arzt seinen Bericht und drückte mir die Entlassungspapiere in die Hand.

Die folgenden Monate waren furchtbar. Ich litt mehrmals in der Woche unter Panikanfällen und ging nicht mehr unter Menschen. Mein Mann versuchte, alle Bälle, die der Alltag ihm zuwarf, in der Luft zu halten.

Mein Immunsystem, welches bisher geduldig versuchte von Krankenhausmief und abgestandener Zimmerluft zu leben, stellte die ersten „Demo-Schilder“ auf. „Ich möchte raus!“ Ja, wollte ich doch auch, es ging aber nicht. Schweren Herzens ignorierte ich die Warnschilder und verärgerte damit mein Immunsystem aufs Schärfste. Mittelohrentzündung und eine Angina legten mich lahm. Ich lag fix und fertig im Bett. Mir reichte es langsam.

Mittlerweile war ich alles andere als mit Gott im Reinen. Genau genommen war ich richtig sauer auf ihn.

Ich erinnere mich noch an eine Nacht, als ich im Wohnzimmer saß und Kissen gen Himmel schmiss.

Ich habe so viel für dich getan”, schmetterte ich,” und ich wollte noch so viel mehr für dich tun.” Ich schmiss das zweite Kissen an die Decke. “ Für dich habe ich das Gabenseminar besucht, für dich wollte ich meine Ideen umsetzen.” Und, noch ein Kissen flog. “Für dich, für dich, für dich”, heulte ich.

An diesem Punkt erschienen mir meine Gaben wie ein Hohn.

Organisationstalent?

Mein Organisationstalent scheiterte doch schon in meinem eigenen Alltag, wo jede Sekunde eine Panikattacke kommen konnte.

Gastfreundschaft?

Ich konnte nur sehr wenige Menschen um mich ertragen, oder konnten nur noch sehr wenige Menschen mich ertragen?

Evangelisation?

Wie sollte ich von einem Gott erzählen,den ich selbst nicht begriff, der mich an so harte Grenzen setzte, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr atmen konnte?

Helfen?

Ich wollte immer gerne mal anderen Helfen. Hier und da ist es ja auch mal gelungen, aber meistens war ich in meinem Leben in der Nehmerrolle. Sobald ich mal jemanden meine Hilfe anbot kippte ich kurz danach selbst um.

Glaube?

Mein Glaube, auch noch so eine Gabe, wurde auf die Probe gestellt. Gott hat mein Leben (im körperlichen Sinne) schon zweimal gerettet. Und ich denke, da muss er doch echt Hoffnung in mich gesetzt haben, etwas zu bewirken, zu schaffen in seinem Reich. Stattdessen so etwas. Eine nehmende Person, immer krank und mittlerweile anscheinend langsam am Durchdrehen.

Ich habe mir diesen Zustand ca. 2 Monate mit angesehen. Ich habe mich immer mehr abgekapselt in dieser Zeit Aber nichts wurde besser.

Und das Letzte, was mir da in dem Sinn kam war das Wort

LIEBE. Aber darauf sollte es hinaus laufen.

Einen Artikel dazu findet ihr in der Lydia 2/2017 (http://lydia.net ). Hier noch ein kleiner Beitrag den ich schrieb, als die Zeitschrift damals veröffentlicht wurde.

Ein Gedanke zu „Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie! Kapitel 5

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